«Wir dürfen nicht antreten, weil wir Frauen sind»
Die Deutsche Nathalie Armbruster ist Gesamt-Weltcupsiegerin in der Nordischen Kombination und hätte gute Chancen, Olympiasiegerin zu werden. Doch diese Kombination aus Skispringen und Langlauf, ist nur bei den Männern eine olympische Disziplin. Es ist die einzige Wintersportart, bei der Frauen nicht antreten dürfen.
«Das ist ungerecht»
Die 20-Jährige machte ihrem Ärger auf Instagram Luft. «Niemandem sollte die Möglichkeit verwehrt werden, seine Träume zu leben, nur weil sie eine Frau ist.» Der Ausschluss der Frauen sei ungerecht. «Wir wollen unseren Platz bei den Olympischen Spielen nicht nur, weil wir Frauen sind und Gleichberechtigung wollen. Wir haben uns unseren Platz dort verdammt noch mal verdient, weil wir hochprofessionelle Weltklasse-Athletinnen sind und alle Anforderungen erfüllen, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) einst festgelegt hat. Wir fordern also nichts anderes als Gerechtigkeit. So einfach ist das. Wenn im 21. Jahrhundert schon keine Gleichberechtigung herrscht, sollte es zumindest Gerechtigkeit geben.»
«Wir fordern Gleichberechtigung»
Auch die US-Amerikanerin Annika Malacinski nahm auf Instagram kein Blatt vor den Mund. Die Kombiniererinnen seien einzig wegen ihres Geschlechts von Olympia ausgeschlossen. «Nicht, weil wir nicht gut genug sind. Nicht, weil wir nicht bereit sind. Sondern weil das IOC weiterhin zögert, ausweicht und Frauen die gleichen Chancen verweigert, die Männer seit Jahrzehnten haben», schrieb die 24-Jährige. «Wir trainieren. Wir bringen Opfer. Wir liefern Ergebnisse. Das Problem ist nicht die Leistung – es ist die Politik. Wir schreiben das Jahr 2026. Dass so etwas immer noch passiert, ist inakzeptabel. Wir bitten nicht um Gefälligkeiten. Wir fordern Gleichberechtigung.»
Überholte Argumente
Den Entscheid, dass die Kombiniererinnen 2026 nicht für die Spiele zugelassen werden, fällte das IOC bereits vor vier Jahren. Die Sportart sei zu jung, die Breite an der Spitze zu gering – und die Einschaltquoten seien zu niedrig. Für Armbruster sind diese Argumente überholt. In der laufenden Saison standen 10 verschiedene Athletinnen aus 7 Nationen und 3 Kontinenten auf dem Podest. «Wenn das keine Vielfalt ist, weiss ich nicht, was es ist.» Heute gebe es keine Argumente mehr für den Ausschluss der Frauen.
Geschlechtergleichstellung bis 2030
Bei den Männern ist die Nordische Kombination seit 1924 olympisch. Für die nächsten Winterspiele 2030 will das IOC die Geschlechtergleichstellung erreichen. Entweder dürfen dann auch Frauen in der Nordischen Kombination an den Start gehen oder die Disziplin wird nach mehr als 100 Jahren für Männer aus dem Olympia-Programm gestrichen. Das IOC wird im kommenden Mai entscheiden.

