Diese Männer sagten Nein zu Epstein
Jeffrey Epstein wurde 2008 wegen der Vermittlung minderjähriger Prostituierter zu 18 Monaten Haft verurteilt. Seither war er ein registrierter Sexualstraftäter. Trotzdem behaupteten Prominente und Mächtige nach der Veröffentlichung der Epstein-Akten, sie hätten davon nichts gewusst. Dabei hätte jeder mit einer simplen Google-Suche herausfinden können, dass Epstein ein verurteilter Sexualstraftäter war.
Forschungsgelder vom Sexualstraftäter
Zu den angeblich Ahnungslosen gehören auch Wissenschaftler, die Kontakt zu Epstein pflegten und in einigen Fällen auch Geld für ihre Forschungsprojekte vom Sexualstraftäter annahmen. Das war insbesondere für Forscher in den USA interessant, da deren Arbeit stark von Mäzenen abhängig ist. Wie leicht Epstein Intellektuelle für sich gewinnen konnte, zeigen Aussagen von Forschern, die ein Finanzierungsangebot von Epstein ablehnten. Die Fachzeitschrift «Science» hat einige Beispiele kürzlich auf ihrer Webseite veröffentlicht.
«Bleib weg von ihm»
David Agus, Krebsforscher an der University of Southern California, kam 2012 mit Epstein in Kontakt. Durch eine Google-Suche stiess er auf die Verurteilung von 2008. Doch das schien den Krebsforscher nicht ausreichend abzuschrecken. Er erkundigte sich deshalb bei Berufskollegen. «Sie sagten alle dasselbe: ‚Bleib weg von ihm. Er ist ein schlechter Charakter.’» Agus sagte Epstein nicht, warum er sich nicht mit ihm treffen wollte. «Ich wollte eine mächtige Person nicht verärgern», erklärte er gegenüber Science.org: «Es war nicht meine Aufgabe, ihn zu verurteilen, und ich bin kein konfrontativer Mensch.»
Rat der Mutter
Scott Aaronson war im Jahr 2010 Informatiker an der Universität von Texas und zunächst fasziniert, dass ein reicher Mann seine Forschung finanzieren wollte. Der damals 29-jährige Assistenzprofessor fragte seine Mutter, ob er das Angebot von Epstein annehmen soll. Sie recherchierte und riet ihm ab. «Pass auf, dass du nicht von einer Schleimmaschine eingesaugt wirst», warnte sie. Aaronson meint heute, dass die Annahme des Geldes ihn nicht zum Komplizen von Epstein gemacht hätte. «Aber, es wäre mir sehr peinlich gewesen.» Aaronson ist nicht überrascht, dass einige Kollegen der finanziellen Verlockung erlagen. Der finanzielle Bedarf in der Forschung sei gross und damit auch der Anreiz, das Geld eines Mäzens anzunehmen, ohne allzu genau hinzuschauen. «Früher hatte ich Fördermittel des Bundes, jetzt nicht mehr», sagte er gegenüber Science.org. «Ehrlich gesagt, ich würde mich über einen Mäzen freuen, aber über einen mit besserer Moral als Jeffrey Epstein.»
«Ich hätte mehr über Epstein herausfinden können»
Sean Carroll war Physikprofessor am California Institute of Technology, als Epstein ihn und seine Frau im Jahr 2010 zu einer Konferenz auf seine private Karibikinsel einlud. «Es wurde als Workshop von Wissenschaftlern aus verschiedenen Bereichen angepriesen, etwas, das ich normalerweise attraktiv finde, und nach Spass klang.» Doch seine Frau, die Wissenschaftsjournalistin Jennifer Ouellette, sollte mit anderen Frauen einkaufen gehen, anstatt am Workshop teilzunehmen. Deshalb nahm das Ehepaar die Einladung nicht an. Rückblickend sagt Carroll, die Absage wäre ihm noch leichter gefallen, wenn er damals gewusst hätte, dass Epstein ein verurteilter Sexualstraftäter war. «Aber 2010 war er keine bekannte Person. Wenn ich mich wirklich bemüht hätte, hätte ich sicher mehr herausfinden können. Aber dies zu tun, kam mir nie in den Sinn.»
Google-Suche
Ben Moore, Professor für Astrophysik an der Universität Zürich, plante im Jahr 2011 ein Festival mit einigen der klügsten Köpfe der Welt. Ein Kollege wandte sich an Jeffrey Epstein, um das Projekt zu finanzieren. «Jeffrey Epstein wollte mir 10 Millionen Dollar geben», sagte Moore kürzlich der «NZZ am Sonntag». Doch eine einfache Google-Suche brachte ihn auf Epsteins Verurteilung aus dem Jahr 2008. «Da war mir sofort klar, dass ich mit einem solchen Mann nicht zusammenarbeiten konnte.»

