Wiederbelebung: Frauen haben schlechtere Karten
Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand kann eine Herzdruckmassage über Leben und Tod entscheiden. Doch in Erste-Hilfe-Kursen wird diese meist an männlichen Trainingspuppen geübt. Zum Nachteil von Frauen, wie eine Studie der Medizinischen Universität Innsbruckzeigt.
Besseres Ergebnis bei männlicher Puppe
Für die Untersuchung führten 164 Probandinnen und Probanden eine Herz-Lungen-Wiederbelebung jeweils an einer männlichen Puppe sowie an einer weiblichen Puppe mit Silikonbrüsten und BH durch. Das Ergebnis: Die Qualität der Herzdruckmassage lag bei der männlichen Puppe im Durchschnitt bei 80 von 100 möglichen Punkten, bei der weiblichen Puppe hingegen nur bei 70 Punkten.
Differenz auch bei Fachleuten
Selbst erfahrene Rettungskräfte erzielten bei der Wiederbelebung der weiblichen Puppe schlechtere Resultate, wenn auch auf höherem Niveau. Sie erreichten im Durchschnitt 87 Punkte bei der männlichen und 75 Punkte bei der weiblichen Puppe.
Studienleiterin Sabine Ludwig, Direktorin des Instituts für Diversität in der Medizin an der Medizinischen Universität Innsbruck, erklärt: «Mit der korrekten Handposition hatten die Teilnehmenden bei der weiblichen Puppe zum Beispiel grössere Probleme. Auch die Kompressionsqualität und die Drucktiefe waren im Vergleich zur männlichen Puppe mangelhaft.»
Unsicherheit im Umgang mit weiblichem Körper
Medizinisch gibt es zwischen Frauen und Männern keine Unterschiede bei der Wiederbelebung: Man muss in der Mitte des nackten Brustkorbs fest und schnell drücken. Dennoch zögerten Testpersonen im Umgang mit der Frauenpuppe. Insbesondere wussten sie nicht, wie sie mit dem BH umgehen sollen. So begannen einige zu reanimieren, ohne ihn zu entfernen oder aufzuschneiden, was die Wirksamkeit der Herzdruckmassage beeinträchtigt.
Überlebenschancen von Frauen erhöhen
Die Studie bestätige frühere Studien, sagt Studienleiterin Ludwig. Sie kritisiert, dass in Erste-Hilfe-Kursen und in der Ausbildung von medizinischem Personal Geschlechterunterschiede bisher zu wenig beachtet werden. Es genüge nicht, nur mit männlichen Puppen zu üben. Um die Überlebenschancen von Frauen zu erhöhen, brauche es auch Trainings mit weiblichen Puppen.

