«Die Hälfte der Welt. Nur ein Viertel der Nachrichten»: Das ist das Ergebnis der weltweit grössten Studie zu Frauen in den Nachrichtenmedien. © gmp

Frauen in den Nachrichten untervertreten: Ein Warnsignal

fs /  Frauen sind ein wichtiger Indikator, ob Menschenrechte eingehalten werden. In der medialen Berichterstattung ist dies zu wenig sichtbar.

Letztes Jahr war nur eine von vier Personen, die in den Nachrichten erwähnt, gezeigt oder zitiert wurden, eine Frau. Das zeigt der aktuelle Bericht des «Global Media Monitoring Project». Für diese weltweit grösste Studie zur Geschlechterrepräsentation in den Nachrichtenmedien erheben Mitarbeiterinnen seit 1995 alle fünf Jahre an einem Stichtag den Frauenanteil beim Personal und in den Nachrichten von Zeitungen, TV, Radio und Online-Medien. Am Stichtag 2025 waren Frauen nur in 26 Prozent der Nachrichten ein Thema – ein Anstieg von lediglich neun Prozent seit Beginn der Erhebung vor drei Jahrzehnten.

«Berichterstattungs-Gap»
Die Journalistinnen Sarah Little und Zahra Nader aus Kanada sprechen auf der Plattform «Presse-toi à gauche!» von einem «Berichterstattungs-Gap», der den öffentlichen Diskurs verzerre. Little, Gründerin des feministischen Online-Magazins More to Her Story, und Nader, Chefredaktorin des afghanischen Portals Zan Times, sehen die Unterrepräsentation von Frauen als ein ernstes politisches Warnsignal. Ihre Begründung: «Berichte über das Leben von Frauen zeigen, ob Gesetze durchgesetzt werden, ob Gewalt bestraft wird und ob der Zugang zu Bildung, Arbeit und Sicherheit möglich ist.»

Politisches Warnsignal
Journalismus, der das Leben von Frauen dokumentiert, wird laut Little und Nader zu oft als fakultativ angesehen. In den Redaktionen fehle das Verständnis dafür, dass Frauen und Mädchen wichtige Indikatoren dafür sind, ob Menschenrechte tatsächlich eingehalten werden. Wenn die Stimmen von Frauen nicht öffentlich werden, sind Machtmissbrauch und Menschenrechtsverletzungen weniger sichtbar und autoritäre Strukturen können sich leichter festsetzen, so die beiden Journalistinnen.​ Die Untervertretung der Frauen in der medialen Berichterstattung müsse man deshalb als ernstes politisches Warnsignal verstehen.​

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