«Häusliche Gewalt»? Sicher nicht.
Die Mehrfachmorde eines Mannes aus den USA sorgten kürzlich weltweit für Schlagzeilen. Die Schweizer Tageszeitung «Der Bund» übernahm zunächst einen Bericht der Nachrichtenagentur DPA unter dem Titel: «8 tote Kinder bei häuslicher Gewalt». Es sei zu einer «häuslichen Auseinandersetzung gekommen, bei der ein erwachsener Mann geschossen hat», hiess es im Text. Diese Formulierung schob den Opfern eine Mitschuld zu.
«Mann tötet in den USA acht Kinder»
Am folgenden Tag veröffentlichte «Der Bund» einen weiteren Bericht, diesmal von der Nachrichtenagentur SDA. Der entscheidende Unterschied war der Titel: «Mann tötet in den USA acht Kinder». Auch im Text war nicht mehr von häuslicher Gewalt die Rede. Dies kann auch Zufall sein, da mittlerweile mehr Details über die Opfer und den Täter bekannt geworden waren. So soll der Täter der Vater einiger der Kinder gewesen sein. Er wurde auf der Flucht von der Polizei erschossen.
Irreführendes Erzählmuster
Gewalt durch Partner und Ex-Partner ist die weltweit die häufigste Form von Gewalt gegen Frauen. Wird ein solcher Fall als «häusliche Gewalt» beschrieben, entsteht der Eindruck eines eskalierenden Konflikts – als hätte ein Verhalten der Frau die Tat ausgelöst. Dieses Narrativ ist irreführend und entschuldigt Gewalt von Männern als eine Reaktion auf das Verhalten einer Frau. Der Angriff eines Mannes wird nicht mit seinem Unvermögen erklärt, auf Zurückweisung, Kränkung oder Verlust gewaltfrei zu reagieren.
Sprache kann Täter entlasten
Die Art, wie Medien über Gewalt berichten, prägt, wie wir sie verstehen. Ungenaue Begriffe wie «häusliche Gewalt» können Täter entlasten und bestehende Ungleichheiten verfestigen. Präzise Sprache wie «Mann tötet in den USA acht Kinder» benennt Verantwortung klar – und trägt dazu bei, Gewalt als das zu erkennen, was sie ist.

