Die deutsche Arbeitsministerin Bärbel Bas mokierte sich auf dem Juso-Bundeskongress über «die Herren in ihren bequemen Sesseln». © pdf

Ministerin wurde als Frau ausgelacht

fs /  Ein Minister und eine Ministerin sagen das Gleiche. Gedemütigt wird nur die Frau. Als die Politikerin danach gegen die Mobber austeilt, reagieren diese empfindlich.

Selten sind patriarchale Strukturen in der Politik so gut erkennbar, wie bei einem aktuellen Anschauungsbeispiel aus Deutschland. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas erläuterte Ende November beim Arbeitgebertag die Rentenreform. Laut Medienberichten sagten Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Kanzler Friedrich Merz (CDU) an diesem Anlass inhaltlich etwa das Gleiche. Doch der männlich dominierte Saal lachte nur Bas während ihrer Rede zweimal aus. Klingbeil sagte später in der TV-Sendung «Maischberger»: «Ich habe kurz vor Bärbel Bas auf diesem Arbeitgebertag geredet. Mir wurde applaudiert. Die Frau wird ausgelacht. Finde ich dann auch sehr komisch. Obwohl wir beide das Gleiche gesagt haben.»

«Die Herren in ihren bequemen Sesseln»
Ein paar Tage nach dem Arbeitgebertag mokierte sich Bas auf dem Parteitag der Jusos über die Arbeitgeber: «Da sassen sie – ich sag’ das jetzt mal ganz offen –, die Herren, meistens waren es Männer, in ihren bequemen Sesseln, der eine oder andere im Massanzug. Und die Ablehnung war deutlich zu spüren.» Da sei deutlich geworden, «gegen wen wir eigentlich gemeinsam kämpfen müssen.»

Die Frau soll respektvoller sein
Daraufhin beschwerten sich 15 Wirtschaftsverbände in einem offenen Brief über den Ton der Ministerin und forderten mehr Respekt: «Diese Menschen erwarten kein Schulterklopfen, aber sie haben Anspruch auf Respekt. Auf Fairness. Auf einen politischen Diskurs, der nicht spaltet, sondern verbindet. Und auf eine Bundesregierung, die Leistungsträger nicht pauschal abwertet, sondern deren Beitrag würdigt.» 
Fairness und Respekt hätte sich Bas wohl Tage zuvor auch gewünscht, als die Mittelständler sie auslachten. 

Die Frau ist verantwortungslos
Am Schluss des Briefes unterstellen die Verbände der Arbeitsministerin Verantwortungslosigkeit und disqualifizieren sie damit für ihr Amt: «Wir möchten Sie eindringlich bitten, Ihre Aussagen öffentlich zu präzisieren und klarzustellen, (…) so wie es dem Anspruch einer verantwortungsvollen Regierungsführung entspricht.» In «Spiegel Online» kommentierte die feministische Autorin Alexandra Zykunov: «Männerdominierte Gruppe lacht Frau aus, Frau gibt Kontra, doch statt ihr Verhalten zu reflektieren, werden die Männer natürlich sauer.»

«Doppelmoral der Wirtschaftsverbände»
Die SPD-Frauen werfen den Mittelständlern Doppelmoral vor. Männliche Politiker gelten als «führungsstark» und «durchsetzungsfähig», wenn sie «Kante zeigen» oder verbal austeilen. Reagiere jedoch eine Frau auf offene Herabwürdigung mit einer angriffigen Ansage, werde ihr die Eignung für das Amt abgesprochen. Dies sei der Versuch, «eine starke weibliche Stimme mundtot zu machen, die es wagt, den Konsens der ‘Männer in Massanzügen’ zu stören.» Eine Ministerin auf offener Bühne auszulachen, sei ein «Akt der Respektlosigkeit».

Auslachen stärkt Patriarchat
Frauen auszulachen ist ein Mittel, um patriarchale Strukturen aufrechtzuerhalten, schreibt die feministische Philosophin Kate Manne in ihrem Standardwerk über die Logik der Misogynie. Es diene dazu, die Autorität von Frauen zu untergraben und sie als weniger kompetent darzustellen als ihre männlichen Kollegen. Das war wohl auch die Absicht der «Herren in ihren bequemen Sesseln». Denn inhaltliche Kritik übten sie keine. Das wäre auch schwierig gewesen, wie ein Faktencheck von «Focus Online» zeigte. Danach waren alle Aussagen der Arbeitsministerin zur Rentenreform inhaltlich korrekt. 

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