Trump inszenierte sich als Frauenpolitiker
US-Präsident Donald Trump macht gewöhnlich keinen Hehl aus seiner Geringschätzung von Frauen. Zuletzt mokierte er sich über die US-Eishockeyspielerinnen, die wie die US-Männer Gold bei den Olympischen Spielen gewonnen hatten. Er müsse die Frauen auch zu seiner Rede zur Lage der Nation ins Parlament einladen, sonst drohe ihm ein Amtsenthebungsverfahren, feixte er in einem Telefonat mit dem Männer-Team.
Republikaner brauchen Frauenstimmen
Das frauenfeindliche Verhalten Trumps und anderer Republikaner könnte im Herbst zum Problem werden. Bei den Zwischenwahlen benötigt die Partei auch die Stimmen von Frauen. In seiner Rede inszenierte sich der US-Präsident deshalb kürzlich als Politiker, der die Anliegen von Frauen und insbesondere Müttern vertritt. Er sagte beispielsweise, dass Frauen von billigeren Medikamenten bei Zeugungen im Reagenzglas profitieren würden. Er ermögliche es Müttern, mit speziellen Anlagekonten ein Vermögen für ihre Kinder aufzubauen und mit Steuergutschriften für Kinder Geld zu sparen. Der US-Präsident verschwieg, dass davon nur wenige Mütter profitieren.
Trump verärgerte Stammwählerschaft
Themen wie die Epstein-Akten und den Schwangerschaftsabbruch mied Trump. Dies könnte die Republikaner Stimmen bei ihrer Stammwählerschaft kosten, schreibt die Plattform «The 19th». Viele Parteimitglieder fordern seit Langem die Veröffentlichung aller Epstein-Akten ohne Schwärzungen. Zu seiner Stammwählerschaft gehören auch radikale Abtreibungsgegner, die gegen Zeugungen im Reagenzglas sind. Sie lehnen deshalb die Rabatte für die Medikamente bei solchen In-Vitro-Fertilisationen ab, die Trump in seiner Rede als Erfolg präsentierte.
Kein Wort zur Abtreibungspille
Unzufrieden sind die Abtreibungsgegner auch, weil Trump den Zugang zur Abtreibungspille Mifepriston nicht erschwert (Handelsname: Mifegyne). Sie fordern seit langem, dass Mifepriston nicht mehr per Post verschickt werden darf. Die Abtreibungsgegner machen die leichte Verfügbarkeit der Pille dafür verantwortlich, dass die Zahl der Abtreibungen in den USA nicht gesunken ist, obwohl das Höchstgericht vor vier Jahren das landesweit geltende Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch aufgehoben hatte.
Die telemedizinische Abgabe der Abtreibungspille hat die zuständige Bundesbehörde FDA vor drei Jahren erlaubt. Sie hat letztes Jahr zwar zugesagt, diese Zulassung zu überprüfen – allerdings ohne Angabe eines Zeitrahmens. Die Republikaner wissen, dass eine Mehrheit der US-Amerikanerinnen und -Amerikaner für ein Recht auf Abtreibung ist. Ein Verbot der telemedizinischen Abgabe der Abtreibungspille könnte ihnen bei den Zwischenwahlen viele Stimmen parteipolitisch ungebundener Wählerinnen und Wähler kosten. In seiner Rede zur Lage der Nation sagte Trump kein Wort zur Abtreibungspille.

