Trump zeigt im Flugzeug mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die Journalistin Catherine Lucey und brüllt «Still! Still, Schweinchen!» © cnn

Trumps Frauenfeindlichkeit untergräbt Demokratie

fs /  Frauenfeindliche Aussagen des US-Präsidenten scheinen nicht mehr zu empören. Dieses Schweigen verschiebt die Grenzen des Sagbaren.

Der US-Präsident beleidigt, beschimpft und demütigt Frauen öffentlich. Daran haben sich offensichtlich alle gewöhnt. Als er Ende letzten Jahres an Bord der Präsidentenmaschine «Air Force One» vor versammelter Journalistenschar mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die renommierte Bloomberg-Korrespondentin Catherine Lucey zeigte und brüllte «Still! Still, Schweinchen!», reagierte niemand im Flugzeug. Lucey hatte eine Frage zu den Epstein-Akten gestellt. 

Gewöhnung an Frauenfeindlichkeit
Auch aus der Politik reagierte niemand auf Trumps Beleidigung. Einzig der demokratische Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, postete dazu eines seiner Memes. Trumps Frauenfeindlichkeit scheint die amerikanische Öffentlichkeit nicht mehr zu alarmieren, sondern bestenfalls zu amüsieren oder zu langweilen.

Trump musste sich entschuldigen
Im Wahlkampf 2016 war das noch anders. Damals kam ein älteres Video an die Öffentlichkeit, in dem Trump sagte: «Wenn du ein Star bist, lassen sie dich alles tun. Du kannst alles tun (…) ihnen an die Muschi greifen. Du kannst alles tun.» Die Empörung über diese frauenfeindliche Aussage war gross, auch in der eigenen Partei. Trump musste sich öffentlich entschuldigen. 

Frauenfeindlichkeit normalisiert
Das ist heute undenkbar, weil Trump Frauenfeindlichkeit normalisiert hat. Er diskreditiert nicht nur Journalistinnen, sondern auch Politikerinnen und Juristinnen. Wenn ein Präsident wie Trump frauenfeindliche Sprache normalisiert, verschiebt er den Rahmen des Sagbaren. Frauenfeindliche Aussagen in Talkshows, Social Media und Wahlkämpfen gelten nicht mehr als unsagbar, sondern als normal.

Konkrete Folgen für Frauen
Die offene Frauenfeindlichkeit der US-Regierung hat für Frauen konkrete Folgen, wie ein paar Beispiele zeigen: 

  • Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat Trump nach Amtsantritt per Dekret alle staatlich finanzierten Gleichstellungsprogramme am Arbeitsplatz gestoppt. Private Firmen erhalten nur noch Aufträge des Bundes, wenn sie ebenfalls auf Gleichstellungsmassnahmen verzichten. 
  • Kriegsminister Pete Hegseth, der wie Trump sexueller Übergriffe beschuldigt wird, hat Frauen aus der Führung der Armee weitgehend entfernt. Kürzlich hat er «männliche Standards» bei den Anforderungen für Kampfeinsätze angekündigt. Soldatinnen werden diese nicht erfüllen können und damit aus Kampfeinheiten entfernt.
  • An Friedens- und anderen Verhandlungen der Regierung nehmen kaum noch Frauen teil.
  • Frauen sollen weitere Selbstbestimmungsrechte verlieren. Die Regierung will nach Abtreibungen auch die Geburtenkontrolle erschweren, um die Geburtenrate zu erhöhen. Abtreibungen sind in zahlreichen US-Bundesstaaten nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr legal. 
  • Das US-Bildungsministerium hat Ende letzten Jahres die Studienkredite für Frauenberufe wie Pädagogik und Krankenpflege massiv gekürzt. Betroffene müssen sich nun entweder zu teuren Konditionen privat verschulden oder den Beruf wechseln. Für die Professionalisierung typischer Frauenberufe hatten Frauen lange gekämpft.

«Frauenfeindlichkeit ist ein Trojaner»
Die Frauenfeindlichkeit der US-Regierung werde auch für die Demokratie Folgen haben, sagte Cynthia Miller-Idriss in der «Los Angeles Times». Die Soziologin von der privaten «American University» in Washington forscht über den Zusammenhang von Frauenfeindlichkeit und Extremismus. Frauenfeindlichkeit sei ein Trojaner, um Demokratie und Rechtsstaat anzugreifen. Über Frauenfeindlichkeit schleiche der Autoritarismus in die Gesellschaft ein, der individuelle Rechte missachtet. Angriffe auf Frauen und ihre Rechte seien deshalb immer ein Warnzeichen. «Wenn Frauen Rechte verlieren, bröckeln Demokratien. Autoritäre wissen das.»

Erosion der Frauenrechte gefährdet Demokratie
Angriffe auf die Demokratie beginnen deshalb oft mit der Erosion der Frauenrechte, sagt Cynthia Miller-Idriss. Die Methoden seien einfach: Frauen werden herabgesetzt, verunglimpft, ihnen werden Rechte wie das Abtreibungs- oder Wahlrecht genommen und sie werden aus der Erwerbsarbeit und dem öffentlichen Leben gedrängt. US-Frauenrechtsaktivistinnen warnen seit langem, dass die Demokratie an Legitimität verliert, wenn die Rechte der Hälfte der Bevölkerung als verhandelbar geltenDadurch entstehe eine Gruppe, deren Status niedriger sei als der einer anderen Gruppe. Das widerspreche dem Wesen der Demokratie fundamental.

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