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Von klein auf werden Mädchen und Jungen immer noch unterschiedlich erzogen, schreibt der französische Gleichstellungsrat. © cc

Traditionelle Rollenbilder bleiben – auch bei Jungen

fs /  Geschlechter-Klischees muss man dort bekämpfen, wo sie vermittelt und aufrechterhalten werden: In Familien, Schulen und digitalen Medien.

Dies geht aus dem neusten Jahresbericht über Sexismus in Frankreich hervor. Er basiert auf einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des nationalen Gleichstellungsrates, einem Beratungsgremium der französischen Regierung («Haut conseil à l’égalité entre les femmes et les hommes»). 

Klischeehafte Erziehung in der Familie
Der Gleichstellungsrat definiert Sexismus als eine «Vorstellung von der Welt, die auf der Ungleichheit von Frauen und Männern beruht und als natürlich angesehen wird». Diese Ungleichheit erleben Kinder bereits in der Familie. Von den 15- bis 24-jährigen befragten Personen gab nur jede fünfte an, dass ihre Eltern sie unabhängig vom Geschlecht erzogen haben. Das heisst zum Beispiel, dass Mädchen, Spielzeugautos und Jungen Puppen zum Spielen erhielten. Eltern seien sich oft nicht bewusst, dass sie Mädchen und Jungen unterschiedlich erziehen, schreibt der Gleichstellungsrat.

Fortsetzung in der Schule
In der Schule setze sich dieses Muster fort. So gab gut die Hälfte der Befragten an, dass die Schule Frauen und Männer nicht gleich erziehe. Das kann direkte Folgen für die Berufswahl haben. So sagten drei von vier der befragten Frauen, dass sie eine Karriere in wissenschaftlichen oder technischen Bereichen nicht einmal in Betracht gezogen haben. 

Digitale Medien pflegen Klischees
Neben Familie und Schule seien auch digitale Medien wie Filme, Serien, Werbung und Social Media Teil der sexistischen Kultur, heisst es im Bericht. Sie verbreiteten traditionelle Rollenbilder und Gewalt gegen Frauen. Besonders gravierend ist laut dem Gleichstellungsrat, dass fast alle pornografischen Videos Gewalt gegen Frauen zeigen und eine Mehrheit der Männer zwischen 25 und 34 Jahren angab, diese Gewalt in ihren sexuellen Beziehungen nachahmen zu wollen. Dies könne einen starken Einfluss auf die Beziehungen zwischen Frauen und Männern haben. 

Traditionelle Rollenbilder haben Bestand
Der Gleichstellungsrat stellt aufgrund der Befragung fest, dass traditionelle Vorstellungen der Geschlechter bei männlichen Erwachsenen nicht abnehmen. Im Gegenteil: Etwas mehr Männer als bei der letzten Befragung gaben an, ihre Stellung und die Stellung der Männer allgemein sei durch den Feminismus bedroht. Eine Mehrheit der 25- bis 34-jährigen Männer ist der Meinung, dass man auf Männern herumhackt und dass es nicht mehr möglich ist, eine Frau zu verführen, ohne als sexistisch angesehen zu werden. Und eine klare Mehrheit der Männer dieser Altersgruppe stört es laut dem Bericht nicht, wenn ein Mann für die gleiche Arbeit mehr verdient als seine Kollegin. «Trotz einer immer grösseren Sensibilität für Ungleichheiten in der jungen Generation halten sich sexistische Klischees und Stereotypen hartnäckig», heisst es im Bericht. «Dieser fehlende Fortschritt nach Jahren des feministischen Kampfes kann kollektiv nur als Rückschritt erlebt werden.»

Sexismus bekämpfen
Sexismus müsse man dort bekämpfen, wo er vermittelt und aufrechterhalten werde, empfiehlt der Gleichstellungsrat der französischen Regierung: In Familien, Schulen und digitalen Medien. Dafür brauche es mehr Aufklärung, Regulierung und Bestrafung. Beispiel Frauenhass: Diesen erleben alle von klein auf und deshalb sei er in der Gesellschaft besser akzeptiert als jede andere Hassrede. Am Arbeitsplatz, auf der Strasse und in den Medien werde er zu selten als eine Form der Gewalt erkannt und bestraft, obwohl dies nach französischem Recht möglich wäre, heisst es im Bericht. «Da Frauenhass in der öffentlichen Debatte und in den sozialen Netzwerken immer schamloser und umfassender verbreitet wird, müssen die rechtlichen Instrumente, mit denen er bestraft werden kann, stärker genutzt werden, damit er nicht mehr als eine Form von Hassrede verstanden wird, die legitimer ist als andere Formen.»

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