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«Mein Körper, meine Entscheidung»: Dieses Recht auf Selbstbestimmung wollen Reaktionäre den Frauen nicht zugestehen. © agovox

Auf dem Spiel steht die Freiheit von Frauen

fs /  Frauen sollen im US-Bundesstaat Alabama nicht mehr frei entscheiden können, ob sie mit Hilfe der Reproduktionsmedizin ein Kind bekommen wollen.

Der Oberste Gerichtshof von Alabama hat mit acht zu einer Stimme kürzlich entschieden, dass gefrorene Embryonen die gleichen Rechte wie Kinder haben. Wer sie absichtlich oder unabsichtlich zerstört, macht sich der Kindstötung strafbar. Der einzige Richter, der anderer Meinung war sagte, das sei wohl das Ende der Reproduktionsmedizin in Alabama. Denn bei Zeugungen im Reagenzglas werden immer wieder Embryonen zerstört, absichtlich oder unabsichtlich. In Alabama ist dies jetzt ein Straftatbestand. Erste Reproduktionskliniken haben deshalb angekündigt, den Bundesstaat zu verlassen. In aller Eile hat darauf das Parlament des Gliedstaates zwei Gesetze verabschiedet, die Reproduktionskliniken und ihren Angestellten Straffreiheit beim Umgang mit Embryonen gewähren.

«Krieg gegen Frauen»
Alabama hat auch eines der strengsten Abtreibungsverbote. Es gibt keine Ausnahmen, auch nicht nach einer Vergewaltigung oder bei Inzest. Der Justizminister plant sogar, Frauen strafrechtlich zu verfolgen, die für eine Abtreibung in einen anderen US-Bundesstaat reisen. Frauen sollen also nach dem Willen des Gesetzgebers nicht entscheiden dürfen, ob sie abtreiben wollen. Sie sollen aber laut dem Obersten Gerichtshof von Alabama auch nicht entscheiden dürfen, ob sie mit Hilfe der Reproduktionsmedizin ein Kind bekommen wollen. Kommentatorinnen sprechen von einem «Krieg gegen die Frauen». 

Gott müsste zornig auf Alabama sein
Der Vorsitzende Richter Tom Parker, ein christlicher Fundamentalist, begründete das Urteil in einer persönlichen Zusatzbegründung mit der «Heiligkeit des Lebens»: «Schon vor der Geburt sind alle Menschen ein Ebenbild Gottes, und ihr Leben kann nicht zerstört werden, ohne seine Herrlichkeit auszulöschen.» Arwa Mahdawi wies im «Guardian» auf die Widersprüchlichkeit dieser Begründung hin. Wenn es darin heisse, dass die Zerstörung menschlichen Lebens «den Zorn des heiligen Gottes» auf sich ziehe, müsse Gott sehr zornig auf Alabama sein. Dieser Bundesstaat habe nämlich eine der höchsten Hinrichtungsraten in den USA. Kürzlich richtete er einen Gefangenen mit Stickstoffgas hin, einer unerprobten Methode, welche die Uno als grausam verurteilte. 

Auf dem Weg Richtung Gottesstaat
In der «New York Times» kritisierte der Kolumnist Charles M. Blow, dass die religiöse Begründung des Obersten Richters in der Öffentlichkeit keine Empörung hervorrief. Solche absurden und unwissenschaftlichen Urteile häuften sich in den USA. Sie seien Schritte Richtung Gottesstaat, den sich Richter Tom Parker explizit wünscht. Doch die grosse Empörung bleibe aus. «Wir sind taub geworden.» Es gehe um einen religiösen Kreuzzug, dessen Ziel es sei, die Körper von Frauen zu kontrollieren. Dieses sei noch nicht erreicht. Siege wie vor knapp zwei Jahren das Urteil des US-Höchstgerichtes gegen das landesweit geltende Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch seien deshalb nur Etappenerfolge. Die rechtlichen und politischen Auseinandersetzungen seien noch lange nicht vorbei. «Die Wahrung der verbleibenden Rechte der Frauen ist alles andere als sicher.»

Rechte der Frauen absichern
In Frankreich hat das Parlament die Freiheit, eine unerwünschte Schwangerschaft ohne Rechtfertigung abbrechen zu können, in die Verfassung aufgenommen. Wie in den USA und anderen Ländern sei diese Freiheit in Gefahr, wenn Reaktionäre an die Macht kommen, hiess es zur Begründung. Dieses Risiko hat Frankreich mit dem Zusatz in der Verfassung nun weitgehend ausgeschlossen.

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