Heldenstatuen mit Babypuppen sollen Augen öffnen
In Deutschland fand am Equal Pay Day in diesem Frühjahr erstmals die Kunstaktion «Caring Men» statt. Aktivistinnen und Aktivisten befestigten Tragetücher mit lebensgrossen Babypuppen an Statuen männlicher Helden in über 13 Städten. Fotos der Denkmäler verbreiteten sich schnell im Internet. So wurde sichtbar, was oft unsichtbar bleibt: unbezahlte Care-Arbeit und überholte Rollenbilder. Immer mehr Männer wollen heute nicht nur Ernährer, Entscheider oder Beschützer sein, sondern auch Väter, die sich kümmern, die pflegen, zuhören und emotional präsent sind.
Johann Strauss mit Baby
In Österreich gab es Anfang März in Wien eine ähnliche Aktion. «Man(n) kümmert sich» machte am «Equal Care Day» auf überholte Rollenbilder und die ungleiche Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit aufmerksam. Aktivisten statteten Statuen von Männern wie Anton Bruckner und Johann Strauss mit Babypuppen aus.
Erstmals fand die Kunstaktion im vergangenen Jahr landesweit zum Vatertag im Juni statt. In mehreren Städten trugen Männerstatuen plötzlich Babys – ein ungewohntes Bild, das Fürsorge neben Stärke und Macht stellte. Hinter der Kampagne stand ein Netzwerk aus Organisationen, die sich seit Jahren mit Care-Arbeit, Gewaltprävention und Männerarbeit befassen.
«Männer können und müssen Teil der Lösung sein»
Die Idee hatten ursprünglich Mitarbeiterinnen einer Rechtsberatungsstelle für Schwangere in Grossbritannien. Sie befestigten vor drei Jahren erstmals lebensgrosse Babypuppen an männlichen Statuen an einem Strand nahe Liverpool. Ein Jahr später griff eine Gruppe von Vätern in London die Idee auf, um für längeren und besser bezahlten Vaterschaftsurlaub zu werben. Mit den inszenierten Bildern im öffentlichen Raum zeigten sie ein modernes Verständnis von Männlichkeit – fürsorglich und beziehungsorientiert.
Statuen spiegeln gesellschaftliche Werte wider. Häufig ehren sie Männer für traditionell männliche Eigenschaften: dominant, unnahbar, heroisch. Der Psychologe Gary Barker ist Mitgründer der internationalen Kampagne «MenCare», die sich für ein anderes Männerbild einsetzt. Er sagt: «Männer können und müssen Teil der Lösung sein – nicht durch Macht, sondern durch Fürsorge.»

