Begriffe wie «Arbeit» und «Dienstleistung» verschleiern, dass Prostituierte eine Ware sind, die verkauft wird, sagt ein ehemaliger Zuhälter.

«Prostitution ist staatlich legitimierter Menschenhandel»

fs /  Das Narrativ der selbstbestimmten Prostituierten sei verharmlosend, sagt ein ehemaliger Zuhälter. Davon profitiere vor allem die Mafia.

Kassra Zargaran war mehrere Jahre lang Zuhälter in Deutschland. Im Interview mit der «SonntagsZeitung» (Bezahlschranke) sagte er kürzlich, man müsse Klartext darüber reden, was Prostitution in Bordellen und auf dem Strassenstrich bedeute. Zargaran befindet sich nach einer mehrjährigen Haftstrafe im Zeugenschutzprogramm, da er in einem Mordfall mit der Polizei kooperiert hatte.

«Männer bestimmen dieses Geschäft»
Prostitution bedeute, dass Frauen wie eine Ware an Männer für Sex und an andere Zuhälter verkauft werden, sagt der Ex-Zuhälter. Im Rotlichtmilieu passierten menschen- und frauenverachtende Dinge. «Es ist keine Dienstleistung, sondern staatlich legitimierter Menschenhandel und der Verkauf von Körpern.» Davon profitiere die organisierte Kriminalität, die das Geschäft dominiere. «Männer bestimmen dieses Geschäft, und die Frauen sind die Ware.» 

«Es gibt keine Freiwilligkeit»
Zargaran sagt, er habe keine Frau gesehen, die sich freiwillig in Bordellen oder auf dem Strassenstrich prostituiert habe. «Die meisten werden – wie ich das gemacht habe – in die Prostitution manipuliert.» Meist seien die Frauen in einer Notsituation. «Sie werden indirekt zur Entscheidung gezwungen.» Es gebe zwar Frauen, die sich befreien und selbstständig arbeiten, doch das ändere nichts an der Tatsache, dass ihr Einstieg in die Prostitution nicht freiwillig war. Früher oder später hätten auch diese Frauen meist wieder einen Zuhälter.

Weder «Arbeit» noch «Dienstleistung»
Laut Zargaran hat keine Frau, die nicht traumatisiert ist, den Wunsch, täglich die Penisse von 20 Männern in den Mund nehmen zu müssen. Prostitution sei eine körperliche und mentale Tortur. Die Begriffe «Arbeit» und «Dienstleistung» seien deshalb verharmlosend. Prostitution sei ein Zustand, den die meisten Frauen nur mit Drogen und Alkohol aushalten, so Zargaran. Doch die Gesellschaft schaue lieber nicht so genau hin, wenn es eklig und heftig werde. «Sie übernimmt diese akademischen Begriffe und ist froh, dass es sauber klingt. Aber das Sexgewerbe wird nie ein gewöhnliches Gewerbe sein.»

«Der Staat hat der Mafia Tür und Tor geöffnet»
Zargaran hält die Legalisierung der Prostitution in der Schweiz und in Deutschland für einen Fehler. «Wenn der Staat sagt, es sei legitim, Frauen zu kaufen, wird den Männern gesagt, sie würden eine ganz harmlose Dienstleistung kaufen, etwa so, als würden sie ein Auto mieten.» Mit der Legalisierung habe der Staat es zudem der organisierten Kriminalität ermöglicht, sich in einem legalen Wirtschaftszweig breit zu machen, den sie nun dominiere. Prostitution sei untrennbar mit der organisierten Kriminalität verknüpft. «Diese hat sich in Deutschland, in Österreich und auch in der Schweiz ein Monopol schaffen können, ganz legal.» Der Staat habe der Mafia mit der Legalisierung der Prostitution Tür und Tor geöffnet. «Zuhälter und Bordellbetreiber freuen sich, wenn das Narrativ der selbstbestimmten Frau in der Prostitution noch lange anhält.»

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