Rachel Entrekin lief in 56 Stunden 400 Kilometer und bewältigte 12’000 Höhenmeter. © MaratonHandbook

Extremsportlerin war schneller als alle Männer

fs /  Die US-Amerikanerin Rachel Entrekin lief an einem Ultramarathon allen davon. Trotzdem machte ein männlicher Extremsportler Schlagzeilen.

Der Deutsche Arda Saatçi lief kürzlich 600 Kilometer quer durch Kalifornien und überwand dabei rund 6000 Höhenmeter. Die angestrebte Zielzeit von 96 Stunden verpasste er um 27 Stunden. Doch das tat der weltweiten medialen Aufmerksamkeit keinen Abbruch.

400 Kilometer und 12’000 Höhenmeter
Eine Woche zuvor war Rachel Entrekin eine mindestens ebenso beeindruckende Leistung gelungen. Die Extremsportlerin bewältigte den Cocodona-Ultramarathon in Arizona über 400 Kilometer in gut 56 Stunden – und war damit schneller als alle Männer. Zwar war die Strecke kürzer, dafür hatte die 34-Jährige rund 12’000 Höhenmeter zu überwinden, also deutlich mehr als Saatçi.

Streckenrekord
Der Cocodona gilt als einer der härtesten Ultramarathons der Welt. In diesem Jahr nahmen laut Veranstalter fast 400 Athletinnen und Athleten teil. Entrekin stellte mit 56 Stunden und 9 Minuten nicht nur einen neuen Streckenrekord auf, sondern unterbot auch ihre eigene Bestzeit aus dem Vorjahr um gut sieben Stunden. Zudem war sie eine Stunde schneller als der schnellste Mann im Feld. 2024 und 2025 hatte Entrekin die Frauenwertung gewonnen – 2026 dominierte sie das gesamte Rennen.

Leistungsunterschied zwischen Geschlechtern
Ein Grund ist, dass der Leistungsunterschied zwischen den Geschlechtern mit zunehmender Streckenlänge schrumpft. Ab etwa 314 Kilometern sind Frauen im Durchschnitt sogar leicht schneller als Männer, wie eine Analyse des US-Marathonläufers Paul Ronto aus dem Jahr 2024 zeigt. Er hat dafür gemeinsam mit der Mathematikerin Vania Nikolova die Ergebnisse von mehr als 15’000 Ultraläufen weltweit in einem Zeitraum von 23 Jahren analysiert.

Sportwissenschaft vernachlässigt Frauenkörper
Frauen haben also körperliche Vorteile bei längeren Distanzen. Beispielsweise ermüden ihre Muskeln langsamer als die von Männern, weil Frauen Fett und Kohlenhydrate anders speichern und verstoffwechseln als Männer, sagte Sophia Nimphius, Sportwissenschaftlerin an der Edith Cowan University in Perth, letztes Jahr der «Washington Post». Nimphius kritisierte, dass sich die Sport- und Bewegungsforschung zu selten mit weiblichen Körpern befasse. Junge Athletinnen würden immer noch nicht die gleiche wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten wie junge Athleten.

Mentale Vorteile
Frauen haben auch mentale Vorteile auf sehr langen Distanzen. Sie schätzen ihr Tempo oft realistischer ein und können besser mit Schlafentzug, Magenproblemen und stundenlanger Monotonie umgehen. Entrekin sagte der BBC, mentale Fähigkeiten seien ebenso wichtig wie körperliche: «Deine Einstellung und deine Fähigkeit, mit Stress umzugehen, sind so wichtig, dass sie mindestens genauso entscheidend sind wie deine körperliche Fitness.»

«Medienversagen»
Saatçi sorgte mit seiner Leistung zu Recht für weltweite Schlagzeilen. Hingegen ging die Leistung von Entrekin medial beinahe unter. «Spiegel Online» schrieb von «Medienversagen» und nahm sich selber bei der Nase: Auch der «Spiegel» habe zu lange nicht über Entrekins Leistung berichtet. Man dürfe die beiden Leistungen zwar nicht direkt vergleichen. «Aber es ist interessant zu beobachten, wohin die Aufmerksamkeit fällt.»

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