David Pelicot (oben Mitte) ruft Männer dazu auf, Gewalt gegen Frauen nicht mehr stillschweigend zu akzeptieren. © Onu Femmes France

David Pelicot kritisiert das Schweigen der Männer

fs /  Dutzende Frauen werfen einem französischen Künstler Gewalttaten vor. Scheinbar unbeeindruckt davon wollte dieser weiter auftreten.

In Frankreich haben mehr als dreissig Frauen Anzeige erstattet gegen den Sänger und Schauspieler Patrick Bruel wegen sexueller Übergriffe, versuchter Vergewaltigung und Vergewaltigung. Diesen Sommer wurde der 67-Jährige kurzzeitig verhaftet und unter Auflagen wieder freigelassen. Er bestreitet alle Vorwürfe. Die Beziehungen seien einvernehmlich gewesen. Es gilt die Unschuldsvermutung. 

«Wo sind die Männer?»
Bruel sagte einige Auftritte ab, plante aber weiterhin eine Herbsttournee durch Frankreich, Belgien und die Schweiz. Erst kurz vor deren Start sagte seine Produktionsfirma die Konzerte ersatzlos ab.
Zuvor hatte David Pelicot, der Sohn von Gisèle Pelicot, auf Instagram das Schweigen der Männer zu den Konzertplänen von Bruel scharf kritisiert. «Wo sind die Männer? Wo sind die Männer, die mit den Liedern von Patrick Bruel aufgewachsen sind?», fragte Pelicot. «Wo sind die Männer der Musikindustrie, die ihn kennen, die mit ihm zusammengearbeitet haben, die vielleicht etwas wussten? Wo sind die Politiker? Wo sind die Kolumnisten, die Produzenten, die Mitglieder der Künstlergruppe Enfoirés, die vierunddreissig Jahre gebraucht haben, um zu begreifen, dass sie sich von ihm trennen müssen – und dies diskret taten, ohne ein Wort über die Opfer zu verlieren?» 
Über dreissig Frauen hätten den Mut gehabt, Anzeige zu erstatten, obwohl ihnen bewusst gewesen sei, was auf sie zukommt, so Pelicot: Drohungen öffentliche Zweifel, der Vorwurf der Lüge und jahrelange Verfahren. 

Männer aus der Mitte der Gesellschaft
David Pelicot weiss, wovon er spricht: Sein Vater hatte seine Mutter Gisèle jahrelang sediert, vergewaltigt, mehr als 90 Männern zum Sex angeboten und die Vergewaltigungen sogar gefilmt. Auf Wunsch seiner Mutter fand der Prozess gegen die vielen Täter nicht hinter verschlossenen Türen statt. Mit dieser mutigen Entscheidung machte Gisèle Pelicot öffentlich, dass Männer aus der Mitte der Gesellschaft eine bewusstlose Frau vergewaltigten, als wäre dies ganz normal.

Algorithmen fördern Desinteresse
Bis heute scheinen zu viele Männer nicht zu begreifen, dass Männergewalt ein Männerproblem ist. Dieses Desinteresse verstärken die Algorithmen von Meta und TikTok, die Männern entsprechende Inhalte weniger zeigen, wie der «Spiegel» berichtete. Algorithmen seien programmiert, vorherzusagen, welche Inhalte jemanden interessieren könnten. Die Empfehlungen basieren darauf, wie jemand sich in den Social Media verhält. Wer beispielsweise auf Instagram einem Fussballverein folgt, dort die Beiträge und Videos schaut und likt, erhält automatisch mehr Informationen über Fussball angezeigt.

«Schnappt euch ihre Handys»
Da Männern sexuelle Gewalt gegen Frauen oft egal ist, zeigt der Algorithmus ihnen solche Informationen seltener an. Die Neuseeländerin Lucy Blakiston, CEO der globalen Informationsplattform «Shit You Should Care About», rät Frauen, mit den Männern in ihrem Leben über sexuelle Gewalt gegen Frauen zu sprechen. Und: «Schnappt euch ihre Handys und likt so viele einschlägige Informationen, dass der Algorithmus anfängt, Männern diese anzuzeigen.» 

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