US-Präsident Donald Trump beschimpft im Flugzeug eine Journalistin aggressiv und zeigt damit ein typisches Verhalten für Autokraten und Gewalttäter. © cnn

Was Autokraten und Gewalttäter gemeinsam haben

fs /  Autokraten und gewalttätige Partner zeigen ähnliche Verhaltensmuster. Beide wollen Kontrolle über andere ausüben und Widerstand unterdrücken.

US-Präsident Donald Trump ist ein verurteilter Sexualstraftäter. Er regiert zunehmend autokratisch. Innen- sowie aussenpolitisch droht er oft mit Gewalt. Dieses Verhalten ist typisch für Autokraten, aber auch für gewalttätige Partner von Frauen. Es gebe weitere Parallelen, sagte Rachel Louise Snyder kürzlich in einem Podcast der «New York Times». Die US-Medienwissenschaftlerin publiziert seit Jahren über Gewalt von Männern gegenüber ihren (Ex-)Partnerinnen. Sie sprach mit der Journalistin Masha Gessen, die in Russland aufgewachsen ist und über Autokratien schreibt.

Zentrale Parallelen

  • Gewalt: Sowohl Gewalttäter als auch Autokraten fürchten Kontrollverlust. Um ihre Macht zu sichern und Widerspruch zu unterdrücken, setzen sie Gewalt ein oder drohen damit.
  • Klima der Angst: Autokraten und Gewalttäter erzeugen durch Drohungen einen Zustand ständiger Angst. Betroffene passen sich an, zensieren sich selbst und verlieren damit Handlungsspielraum. Ähnlich wie Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt sind, stehen auch Bürgerinnen und Bürger in autoritären Systemen vor erheblichen emotionalen, bürokratischen und finanziellen Hürden, wenn sie weggehen wollen.
  • Isolation: Gewalttäter isolieren ihre Partnerinnen oft gezielt vom sozialen Umfeld, beispielsweise von der Familie. Autokraten beschneiden die Medienfreiheit, schwächen zivilgesellschaftliche Strukturen wie NGOs und erschweren den freien Informationsfluss. Beispielsweise blockieren China und Russland westliche Social-Media-Plattformen. Ziel ist in beiden Fällen, die Wahrnehmung der Realität zu manipulieren und damit Kontrolle zu festigen.
  • Täter-Opfer-Umkehr: Autokraten und Gewalttäter lenken von eigenem Fehlverhalten ab, indem sie anderen dafür die Schuld zuschieben. Ein Beispiel sind die beiden Morde durch die US-Einwanderungsbehörde ICE Anfang dieses Jahres. Die US-Regierung rechtfertigte sie mit Notwehr und schob damit den Opfern die Schuld zu, obwohl die Fakten dagegensprechen. Gewalttätige Männer werfen ihren Partnerinnen oft vor, zu lügen oder sie mit ihrem Verhalten provoziert oder angegriffen zu haben. Exemplarisch dafür ist der Fall eines Mannes aus der Schweiz, der kürzlich vor Gericht stand. Er hatte seine Frau grausam ermordet. Vor Gericht behauptete er faktenwidrig, sie habe ihn zuerst angegriffen.
  • Skrupellosigkeit: Autokraten nehmen wirtschaftliche und menschliche Schäden in Kauf, um ihre Macht zu sichern. Ähnlich rücksichtslos handeln Gewalttäter gegenüber ihren Partnerinnen.

«Warnsignale ernst nehmen»
Snyder und Gessen warnen, dass man Warnsignale oft nicht ernst nimmt – sowohl bei aufkommendem Autoritarismus wie in den USA als auch bei Gewalt in Beziehungen. Entscheidend sei, Gewalt klar zu benennen und sie nicht zu verharmlosen. Snyder: «Wir müssen über Gewalt sprechen.»

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