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Das Merkblatt des Turnverbandes soll Fotografen, Eltern und Turnerinnen für heikle Blickwinkel sensibilisieren. © srf

Heikle Fotos von Turnerinnen: «Geht auf keinen Fall»

fs /  Spagat und Grätsche: Fotos aus bestimmten Winkeln lenken den Blick auf den Schritt, wie kürzlich Bilder von der Weltmeisterschaft wieder zeigten. Damit soll Schluss sein.

Der Schweizer Turnverband will keine solchen Fotos mehr von Kunstturnerinnen. Er hat deshalb ein Merkblatt «zum Schutz der Turnenden» veröffentlicht. Diese sollen Medienschaffende sensibilisieren und sicherstellen, dass «keine anzüglichen oder anderweitig ethisch heiklen Fotos veröffentlicht und weitergegeben werden. Insbesondere Fotos, bei welchen Turnerinnen in den Schritt fotografiert wurde.» Das Merkblatt soll auch Eltern und Turnerinnen sensibilisieren, die eigene Fotos in den Social Media veröffentlichen. Sie seien sich oft nicht bewusst, dass solche Bilder für immer im Internet bleiben und auch von Menschen angeschaut werden, die kein Interesse am Turnsport haben. 

Entscheidend ist der Aufnahmewinkel
Das Merkblatt zeigt stilisiert, bei welchen Positionen ein Aufnahmewinkel heikel sein kann. «Geht auf keinen Fall» steht zum Beispiel neben der Skizze einer Bodenturnerin mit frontal gespreizten Beinen. Beim Spagat im Sprung heisst es: «Hier kommt es auf den Aufnahmewinkel an.» Heikle Posen soll man von der Seite und nicht von vorne frontal in den Schritt fotografieren, lautet die allgemeine Empfehlung.

Turnerinnen schikaniert und erniedrigt
In der Schweiz machten Athletinnen vor drei Jahren öffentlich, dass sie im Ausbildungszentrum Magglingen jahrelang erniedrigt, schikaniert und auch geschlagen worden sind. Im Zuge der Aufarbeitung sei auch das Thema Foto auf den Tisch gekommen, sagte Naomi Kempter vom Schweizerischen Turnverband (STV) der Deutschen Presse-Agentur (dpa): «Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir solche Fotos nicht mehr wollen.» Der STV habe zudem im Archiv einige Aufnahmen ersetzt. «Athletinnen und Athleten sollen ihren Sport mit einem guten Gefühl ausüben können, unabhängig davon, was sie tragen oder wie sie fotografiert werden.»

Fotografen Akkreditierung entziehen
In Deutschland will der Dachverband «Turner-Bund» heikle Fotos auch nicht mehr dulden, wie Sprecher Torsten Hartman gegenüber der dpa sagte. Uneinsichtigen Fotografen werde man die Akkreditierung entziehen. Die Turnerinnen Sarah Voss, Elisabeth Seitz und Kim Bui sorgten bei der Europameisterschaft 2021 für Aufsehen, weil sie erstmals nicht im üblichen knappen Dress mit hohem Beinausschnitt antraten. Stattdessen trugen sie Langbeinanzüge.

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