Modenschau: Veranstalter rechnet mit der Abnehmspritze
Der US-Pharmakonzern Eli Lilly stellt die Abnehmspritze Mounjaro und die Abnehmpille Foundayo her. Er gehörte diesen Herbst zu den Sponsoren der Modenschau der Zeitschrift «Vogue» in Mailand. Fachleute für Essstörungen werfen dem «Vogue»-Verlag Condé Nast vor, mit dieser Partnerschaft ein ungesundes Schlankheitsideal zu fördern, wie der »Guardian « berichtete.
Verschmelzung von Mode- mit Pharmawerbung
US-Psychologie-Professorin Charlotte Markey von der Rutgers University im US-Bundesstaat New Jersey warnt davor, Dünnsein als erstrebenswertes Ziel zu propagieren, das sich mit einer Spritze oder Pille erreichen lässt. Markey forscht zu Körperbild, Essverhalten, Diäten und Adipositas-Risiken. Sie sagt, die Verschmelzung von Mode- mit Pharmawerbung sei besonders beunruhigend, da sie verschreibungspflichtige Medikamente zum Teil eines bestimmten Lebensstils mache. «Das kann die Idee normalisieren, dass die medizinische Veränderung des Körpers einfach eine weitere Schönheits- oder Wellness-Wahl ist.»
Lauren Downing Peters, Professorin für Modewissenschaft an der privaten Hochschule für Medien und Geisteswissenschaften in Chicago (Columbia College), sagt, das Sponsoring zeige, dass Abnehmspritze und -pille in der Modeindustrie und in der Kultur insgesamt normal geworden seien.
«Problematisches Sponsoring»
Tom Quinn, Sprecher der britischen Hilfsorganisation für Essstörungen «Beat», sagt, dass Abnehmpillen und -spritzen für Menschen mit Essstörungen sehr attraktiv seien: «Da die Modeindustrie bekanntlich oft unrealistische Körperideale idealisiert und fördert, ist es problematisch, dass die Modenschau vom Hersteller der Abnehmspritze Mounjaro gesponsert wird.»
«Konservativer Backlash»
Ungesundes Dünnsein sei wieder im Trend, sagte Diana Weis im Radiosender «Bayern 2». Sie ist Professorin für Modejournalismus an der privaten Hochschule für Management und Recht (BSP Business & Law School Berlin). Models mit normalen Figuren seien in den vergangenen Jahren durch das Aufkommen von Plattformen wie TikTok zum Trend geworden, auf den auch die Modeindustrie aufgesprungen sei. Doch mittlerweile gebe es in den Modenschauen kaum noch solche «Plus-Size»-Models. Grund dafür seien nicht nur Abnehmspritzen und -pillen, sagt Weis: «Wir befinden uns gerade wieder in einem konservativen Backlash. Da geht es auch stark um Geschlechterrollen.» Der weibliche Körper diene wieder dazu, Frauen mit normaler Figur auf eine billige Art zu kritisieren und zu verunsichern.

