Eizellen-«Spenderinnen» sind Versuchspersonen
Die Schweizer Regierung will Eizellen-«Spenden» legalisieren, obwohl die langfristigen gesundheitlichen Risiken für die «Spenderinnen» weitgehend unbekannt sind. Dies kritisiert die Medizinethnologin Diane Tober von der Universität Alabama in einem Interview mit der NGO «biorespect» (englisch). Im Unterschied zur Samenspende könne die Eizellen-«Spende» die Gesundheit der «Spenderinnen» ernsthaft gefährden, sagt Tober.
Kurzfristige Risiken
Bekannt sind bisher vor allem kurzfristige Risiken. Die Entnahme von Eizellen erfordert eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke und danach einen invasiven Eingriff in den Körper. Zu den bekannten Nebenwirkungen gehören Blutungen, Stimmungsschwankungen, Unterleibs- und Kopfschmerzen sowie Thrombosen. Die Stimulation der Eierstöcke steht im Verdacht, Eierstock- und Gebärmutterkrebs zu fördern. Doch die langfristigen Risiken kennt man nicht, da es bisher keine Langzeitstudien gibt.
Datenbank ignoriert «Spenderinnen»
Tober kritisiert, dass Ärzte behaupten, die Risiken seien gering, obwohl sie diese mangels belastbarer Daten gar nicht wissen können. Spanien führt laut Tober wenigstens ein nationales Register der «Spenderinnen». Zweck der Datenbank sei derzeit das Wohl der so gezeugten Kinder, erklärt Tober. Wenn später bei einer «Spenderin» beispielsweise eine genetische Erkrankung diagnostiziert wird, können dank der Datenbank die Empfängerfamilien informiert werden.
Hingegen gibt die Datenbank keine Auskunft über Spätfolgen der Behandlungen bei den «Spenderinnen», wie Tober feststellen musste. «Spenderinnen» in Spanien berichteten ihr, dass sie nicht einmal genau informiert wurden, welche Medikamente sie einnahmen und wie viele Eizellen ihnen entnommen wurden. Tober: «Dieses Register könnte man auch nutzen, um die Gesundheit der ‘Spenderinnen’ längerfristig zu verfolgen.»
Keine Daten über langfristige Risiken
Ohne zuverlässige Langzeitstudien über die Risiken sei es für junge Frauen nicht möglich, vollständig informiert einer «Spende» zuzustimmen, sagt Tober. «Eizellen-‘Spenderinnen’ sind gesunde junge Frauen, die sich einem medizinischen Eingriff unterziehen, der ihnen keinen direkten medizinischen Nutzen bietet. Und bisher haben wir immer noch keine belastbaren Daten über die langfristigen Risiken.»
Die meisten Studien betreffen die Empfängerinnen der Eizellen, die in der Regel älter sind und Probleme haben, ein Kind zu bekommen. Tober: «Eizellen-‘Spenderinnen’ sind eine andere Gruppe: Sie sind jünger, hochfruchtbar und werden oft für Merkmale wie einen niedrigen Body Mass Index (BMI) ausgewählt, der das Risiko für Komplikationen wie das ovariale Überstimulationssyndrom erhöhen kann.»
«Ernsthafte ethische Fragen»
Tober hat «Spenderinnen» interviewt, die im Alter von Anfang zwanzig Eizellen «spendeten». Ein paar Jahre später berichteten einige über gesundheitliche Probleme und später über Schwierigkeiten, ein eigenes Kind zu bekommen. Dies werfe ernsthafte ethische Fragen auf, sagt Tober. «Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob die Eizellen-‘Spende’ der Grund für die Probleme ist oder ob sie diese ohnehin gehabt hätten, aber die Möglichkeit zeigt, wie wenig wir tatsächlich wissen.»
Fehlende Transparenz
Tober kritisiert fehlende Transparenz. Ärzte und Kliniken sollen potentiellen «Spenderinnen» klar sagen müssen, dass die Langzeitrisiken unerforscht sind. Der Gesetzgeber und Förderprogramme sollen gezielt Studien finanzieren, welche die Gesundheit von «Spenderinnen» jahrelang verfolgen, fordert Tober: «Eizellen-‘Spenderinnen’ investieren viel, damit andere eine Familie gründen können. Sie verdienen das gleiche Engagement, wenn es um ihre Gesundheit und Sicherheit geht, damit sie wirklich informiert zustimmen können.»
Länder wie die Schweiz, welche die Eizellen-«Spende» zulassen wollen, sollten von Beginn an sicherstellen, dass der Schutz und die langfristige medizinische Begleitung der «Spenderinnen» denselben Stellenwert erhalten wie das Wohl der Kinder, sagt Tober.

