Babys von Leihmüttern gibt es nur, wenn eine Frau Eizellen «spendet». © Av

Der blinde Fleck Eizelle — und wer davon profitiert

fs /  In der Debatte über das Leihmutter-Baby von Jens Spahn ist die «Spenderin» der Eizelle kein Thema. Ein Erfolg der Lobby.

Der deutsche Politiker Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke haben eine Frau in den USA dafür bezahlt, dass sie ein Kind für sie austrägt. Dafür wurde der Leihmutter die Eizelle einer anderen Frau eingepflanzt, die zuvor im Reagenzglas mit dem Samen von Funke befruchtet worden war. In der Berichterstattung wurde die Eizelle meist nur erwähnt um klarzustellen, dass die Leihmutter keine biologische Verwandtschaft mit dem Baby und damit keine Rechtsansprüche hat. 

Nicht vergleichbar mit Samenspende
Die Eizellen-«Spenderin» blieb weitgehend unerwähnt. Das ist ein Erfolg der einschlägigen Lobby, die seit Jahren Eizellen-«Spenden» mit Samenspenden gleichsetzt und damit verharmlost. Doch eine Eizellen-«Spende» ist mit einer Samenspende nicht vergleichbar. 
Bekannt sind bisher kurzfristige Risiken einer Eizellen-«Spende». Sie ist deutlich risikoreicher als eine Samenspende. Für die Entnahme von Eizellen braucht es eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke und anschliessend einen invasiven Eingriff in den Körper. Zu den bekannten kurzfristigen Nebenwirkungen gehören Blutungen, Stimmungsschwankungen, Unterleibs- und Kopfschmerzen sowie Thrombosen. Zudem steht die Stimulation der Eierstöcke im Verdacht, das Risiko für Eierstock- und Gebärmutterkrebs zu erhöhen. Solche Risiken nehmen meist wohl nur Frauen in Kauf, die finanziell unter Druck stehen. Sie spenden ihre Eizellen also nicht, sondern verkaufen sie. 
Die langfristigen Risiken für den eigenen Körper können «Spenderinnen» nicht kennen. Es fehlen Langzeitstudien. Eizellen-«Spenderinnen» sind also Versuchspersonen.

Ohne Eizellen-«Spenderin» kein Baby
Wer Jens Spahn und Daniel Funke die Eizelle «spendete» und was die «Spenderin» damit verdiente, ist nicht öffentlich bekannt. Doch ohne sie gäbe es kein Leihmutter-Baby. Und ohne sie könnten Paare wie Jens Spahn und Daniel Funke ihr angebliches Recht auf ein Kind nicht auf diesem Weg verwirklichen. 

Frauen riskieren für andere ihre Gesundheit
Thema in der Öffentlichkeit wurde nicht die «Spenderin» der Eizellen, sondern nur die Leihmutter. Medien berichteten über die angeblich guten Rahmenbedingungen für Leihmütter in den USA und deren hohen Anteile an den Einnahmen. «Bis zu 40-Prozent»-Formulierungen klingen allerdings eher nach Lobby-Argument als nach Fakten. Verschwiegen wird zudem meist, dass Leihmütter ähnlichen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind wie Eizellen-«Spenderinnen». Da Langzeitstudien dazu fehlen und dies den Frauen meist niemand sagt, können sie nicht vollständig informiert den erforderlichen Behandlungen zustimmen. Leihmutterschaft ist ein weltweites Milliardengeschäft, das nur möglich ist, wenn Frauen dafür ihre Gesundheit riskieren. Die fetten Gewinne streichen allerdings nicht sie ein, sondern hauptsächlich Kliniken und Vermittlungsagenturen. Reem Alsalem, Uno-Sonderberichterstatterin zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen, beschrieb letztes Jahr die Branche in einem Bericht zuhanden der Uno-Generalversammlung als «System von Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch von Frauen und Mädchen». 

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